Bugspriet – Vervollständigung des laufenden Gutes
Bevor ich mit der Fockroyalrah fortfahre, widmete ich mich zunächst der Komplettierung des laufenden Gutes am Bugspriet mit Klüver- und Außenklüverbaum der La Créole.
Im Fokus standen dabei die Klüver- und die Außenklüverleiter (
Draille du grand foc und
Draille de clinfoc), die jeweils durch die bereits vorbereiteten Ausholringe zum Vorschiff geführt werden. Diese lederbezogenen Ringe warten schon länger auf ihre endgültige Einbindung in das Rigg.
Besonderes Augenmerk galt der Frage, wie diese Segelleiter am Topp lösbar befestigt wurden – sei es zum Abschlagen der Segel oder bei Verschleiß. Historisch belegt ist eine Ausführung mit einer Gabelung, analog zu den der Stage. Als Referenzen dienten u. a. der Atlas du Génie Maritime sowie das Originalmodell im Musée national de la Marine in Paris.
Wie beim Vorbild wurde ein Abzweig in das Haupttau eingespleißt, dessen Enden jeweils in einem Augspleiß münden. Diese Konstruktion erlaubt es, die Leiter für Klüver und Außenklüver am Topp der Vorstenge bzw. Vorbramstenge über die vorhandenen Stage aufzulegen und mit einer Lasching zu sichern.
Die Umsetzung dieses Details zeige ich auf dem folgenden Bild mit den einzelnen Arbeitsschritten:
Eine Besonderheit betrifft in diesem Zusammenhang das Vorstengeborgstag, dieser übernimmt hier gleichzeitig die Funktion als Leiter für das Vorstengestagsegel - eine Doppelnutzung, die auch bei anderen Nationen üblich war.
Der Sturmklüver (
Tourmentin) wurde hingegen nur bei Bedarf am massiven Fockborgstag gefahren; feste Vorrichtungen waren nicht vorgesehen. Entsprechend ist am Modell nichts dauerhaft anzubringen.
Bei der Ausführung der Fallen orientierte ich mich strikt an der Monographie von Jean Boudriot:
Für den Außenklüver (
Clin-foc) und das Vorstengestagsegel (
Petit foc) waren somit ein einfaches Fall ohne Blockübersetzung vorzusehen. Für den Klüver (
Grand foc) hingegen habe ich mich für einen zweiteiligen Fall entschieden. Der entsprechende Fallblock wurde mit einem Block und Haken ausgeführt.
Schließlich mussten die notwendigen Blöcke für die Fallen am Vorbramstengestopp bzw. Vormarsstengetopp angebracht werden. Da die Monographie hierzu keine Details liefert, boten der
Atlas du Génie Maritime und das
Manuel de Gréement von F. A. Coste ausreichend Hinweise. Die Blockstropps habe ich so ausgeführt, dass die Fallblöcke exakt auf Höhe der Segelleiter zu liegen kamen.
Auf dem folgenden Bild ist der Segelleiter des Außenklüvers sowie der Fallblock zu sehen.
Für den stehenden Part des zweiteiligen Klüverfalls verwendete ich einen tour mort avec deux demi clefs zur Befestigung, Rundtörns mit Halbschlägen, welcher um das Vorstengetopp gelegt und mit einem Seizing gesichert wurde.
Um die Fallen des Vorstengestagsegels, des Klüvers- und Außenklüvers bei abgeschlagenen Segeln authentisch zu sichern, verknüpfte ich sie mit den jeweiligen Niederholern. Für das Vorstengestagsegel und den Außenklüver erfolgte es mit einem
Nœud de vache oder
Nœud d’ajut - Trossenstek, nicht zu verwechseln mit dem Kreuzstek.

Quelle: Manuel du Gabier; 1875, Seite 4
Der Trossenstek wird in zeitgenössischen Quellen ausdrücklich für temporäre Verbindungen empfohlen, die sich leicht wieder lösen lassen. Da hier keine Segellast getragen wird, sondern lediglich Ordnung im laufenden Gut gefragt ist, halte ich diese Lösung für historisch plausibel und betrieblich sinnvoll.
Das Klüverfall wurde über den Haken mit dem Niederholer verbunden. Für diese temporäre Verbindung boten sich der Nœud de griffe oder Nœud de palan an.

Quelle: Manuel du Gabier; 1875, Seite 11
Die aus der Monographie von Boudriot ablesbare Reihenfolge der Manöver am Rollenleiter ist schematisch und folgt der funktionalen Zuordnung der Taue, nicht unbedingt der realen geometrischen Führung. In der Praxis müssen die Manöver jedoch nach ihrer tatsächlichen Position am Bugspriet geordnet werden (Außenklüver außen, Klüver innen, Bulin der oberen Rahsegel außen), um Kreuzungen, Scheuerpunkte und unklare Wege zu vermeiden.
Am Modell habe ich nach zahlreichen praktischen Versuchen eine empirisch ideale Tauführung ermittelt, die sich exakt an diesen seemännischen Grundsätzen orientiert: Je weiter außen das Segel, desto weiter außen seine Manöver am Rollenleiter. Die umgesetzte Führung bildet eine realistische Ordnung ab und entspricht der zu erwartenden tatsächlichen Tauführung auf vergleichbaren Schiffen.
Fortsetzung folgt …