Finale Version: Brooktaue der Carronaden
Derzeit bereite ich die Aufstellung der Carronaden auf dem Batteriedeck der La Créole vor.
Da die beiden Stückpfortenhalbdeckel sich eng um das Geschützrohr schmiegen, muss deren Befestigung mit den Haken Hand in Hand mit der Aufstellung der Carronaden und der Befestigung des Brooktaues erfolgen. Am Probemodell (Battlestation) habe ich diesen diffizilen Vorgang bereits erfolgreich praktiziert. Was am Probemodell schon nicht ganz einfach zu bewerkstelligen war, wird sich am Modellschiff noch schwieriger gestalten. Das Probemodell konnte ich einfach drehen und wenden, und so in die optimale Lage zum Bearbeiten bringen.
Vor der Aufstellung müssen jedoch noch die Brooktaue entsprechend vorbereitet werden.
Die Monographie zur La Créole von J. Boudriot gibt folgende Abmessungen zu diesen Brooktauen an:
Die Brooktaue für die 30 Pfund Carronaden der La Créole hatten einen Durchmesser von
73 mm und eine Länge von 5,50 m, das entspricht umgerechnet im Maßstab 1:48 einem
Durchmesser von 1,52 mm und einer Länge von 11,46 cm.
Dank der Informationen von einem Modellbauerkollegen Peter (peternavalis), die ich nachfolgend nochmals
zitieren darf, besitze ich dazu spezielle Grundlagen für eine möglichst realistische Nachbildung:
„Mit dem erfolgreichen Aufkommen einer definitiv binnenbords liegenden Pivotierung der engl. Schlittenlafette, tauchte nun aber zunehmend auch die Frage auf, ob diese mit relativ schwacher Pulverladung betriebene Geschütz-Art, dazu nicht eine einfachere „Non Receul Lafette“ erhalten könne. Mit diesem sog. RÜCKCKSTOß FREIEN PRINZIP/ NON RECEUL PRINCIPLE hatte sich auch schon der berühmte schwedische Schiffskonstrukteur Af Chapman und die Seeoffiziere Gower und Congreve vergeblich auseinander gesetzt, um bei gewöhnlichen Schiffs-Kanonen den gewaltigen Rückstoß beim Schuß gänzlich und abrupt zu unterbinden. Erst die Einführung der Carronaden mit ihrer speziellen Lafetten-Konstruktion, erlaubte es nun erst mit mechanischen Hemm-Vorrichtungen versehen, sowie einem speziellen Brooktau, dem FESTEN BROOKTAU den Rücklauf des Rohres fast gänzlich zu verhindern.
Diese Brook, eine dicke rechtsgeschlagene Trosse wurde dazu vom Reepschläger nach dem Schlagen noch einmal zusätzlich sehr stramm nachgedreht, „aufgehärtet“ was dabei aber auch noch eine Kürzung um ca. 1/3 der Brooktau-Länge bedeutete und diese dann als eine sehr starre Trosse erzeugte. Bei Schiffskanonen war dagegen das gemächlichere abstoppen des Rücklaufes mit einem links geschlagenen Brooktau vorteilhafter und eventuell auch bei zusätzlicher Verwendung von links geschlagenen Läufern der Geschütztaljen, das Tauwerk insgesamt „lehniger“ und handiger. Dies hing damit zusammen, das generell dieses Tauwerk für Schiffsgeschütze in den Garnen und Kardeelen nur leicht und mit sehr flüssigem Stockholmteer konserviert war.“
Eigentlich wollte ich die Brooktaue selber schlagen. Noch fehlen mir die hierzu erforderlichen Kenntnisse und auch eine geeignete Reeperbahn. Für die Takelage des Modells werde ich mir sicher eine zu legen.
Zum Weiterkommen am Modell wurden die Brooktaue jedoch notwendig. Veranlasst durch einen hochinteressanten Bericht in Segelschiffsmodelbau.com zur Herstellung von originalem Tauwerk, der mich sehr begeistert hat, fragte ich beim Verfasser, einem Forumskollegen Tom (archnavalis) nach, ob er bereit wäre mir diese Brooktaue zu schlagen.
So kam es, dass nun die Brooktaue für dieses Modell, genau nach diesen Spezifikationen gefertigt worden sind. An dieser Stelle möchte ich mich hiermit nochmals ausdrücklich bei Tom dafür bedanken."
Zu berücksichtigen war noch, dass das rechtsgeschlagene Brooktau im Bereich des Auges und der seitlichen Führungsringe, wo eine stärkere Beanspruchung infolge Schamfilens gegeben war, gesmartet wurde.
Die Smartung bestand offensichtlich aus Leder, soweit ich die Passage in der Monographie und die mir zur Verfügung stehenden Farbfotos des Originalmodells im Musée de la Marine in Paris im Maßstab 1:40 richtig interpretiere. Entsprechend den Farbbildern des Originalmodells versuchte ich diese Smartung zu imitieren. Verschiedene Versuche mit einem Gemisch aus Plakafarbe und Weißleim, welche auf eine Lage Taschenpapier als Trägermaterial aufgebracht worden sind, wurden durchgeführt. Im Ergebnis erhält man eine lederartig anmutende hauchdünne „Folie“, die in Streifen geschnitten als Smartung aufgebracht werden kann.
Am Probemodell wurde dann anschließend ein weiterer Versuch zur Ausführung des Brooktaues umgesetzt.
So sah es bisher mit linksgeschlagenem und etwas zu dünnem Brooktau (gekauftes Tau) aus:
Hier ist nun das rechtsgeschlagene, mit der korrekten Farbe gesmartete Tau, zu sehen:
Nun geht es an die weitere Umsetzung am Modell, also 20 mal.
Fortsetzung folgt im neuen Jahr.
Insofern möchte ich Euch und den Forumsmachern für die vielen unterhaltsamen und informativen Stunden hier im Forum herzlich bedanken und wünsche einen guten Rutsch ins neue Jahr.