Tach, Erwin und Hark-Hendrik.
>Nirgendwo kann man auf Bildern Reffbänsel bei der Preussen sehen, gab es
keine oder wurden diese bei den Bildern aus Vereinfachungsgründen einfach weggelassen ?<
Doch, diese Bilder gibt es, sowohl im "Laas" als Typzeichnung für die großen, modernen Viermaster als auch im Netz:
Guck hier :
https://images.google.de/imgres?imgurl=h…XQdCxUQrQMIHjAA
Du siehst bei allen fünf Untersegeln und allen fünf Obermarsen eine ( 1! ) Aufdoppelung in etwa 1/3 der Segeltiefe, vom Jackstag zum Segelfuß gerechnet, mit der dazu gehörenden Reihe von Reffbändseln. Was der Maler Wunsch dort
https://matthiaswunsch.weebly.com/blog
gemalt hat - Reffbändsel auf den Oberbramsegeln bei Potosi und Preußen - ist definitiv falsch. Die hat´s nie gegeben. Wozu auch! Da wurden bei Bedarf die Rahen weggefiert und die Segel aufgetucht. Zu Gewicht und Größe speziell der Unter- und Untermarssegel ist noch zu sagen, daß Reffen dieser beiden Segeletagen erst nach Festmachen aller Obermarsen, Bramsegel und der Royals und nur bei Sturm- und Orkanstärken durchgeführt wurde. Bei der Stärke der Laeisz´schen Takelagen mit Schotketten und lehnigem Stahldraht blieben sogar bei Wind bis 9 Bft. sämtliche Segel bis zur Oberbram stehen.
Bei Segeln der Tuchstärke 0 für Unter- und Marssegel mit einem Gewicht von 1,02 bis 1,03 kg pro m² wiegen allein diese Tuche bei ca. 330 und 250 m² Segelfläche schon ca. 350 und 270 Kg netto, Liektaue aus Stahldraht, Schotblöcke nebst Schotketten, Gordings, Nock- und Schotringe aus massivem Stahl gar nicht erst eingerechnet. Die mußten ja auch mit nach oben. Da war die ganze Wache auf der Rah, wenn nicht sogar alle Mann, bei mehr als biestigem Wetter und reichlich Krängung sicher nichts für Couchpotatoes und Bleistiftnuckler. Und dann gab´s ja bei manchen Viermastern der Flying- P-Line auch noch 00er Tuchstärken mit dem nochmal höheren Gewicht. Und sogar die blies es manchmal aus den Lieken. Hat man mal so ein massives Segel in der Hand gehabt, kann man sich nicht vorstellen, wie das überhaupt ausgeweht werden konnte.
Zwei und mehr Reihen von Reffbändseln wurden nur zu Zeiten der alten Segler mit ihren bauchigen, tiefen und nicht unterteilten Windsäcken an den Rahen gefahren. Es hat lange gedauert, bis sich die Unterteilung der Mars- und Bramsegel in Unter- und Obermarsen, bzw. -bramsegel und damit in weitaus handigere Größen durchgesetzt hat, was auch wegen der, gemessen an der bewegten Tonnage, geradezu lächerlich kleinen Besatzung der moderen stählernen Frachtsegler notwendig und einsichtig geworden war. Die alten Kapitäne und erst recht die Reeder der hölzernen Segler sind stur bei dem alten, angeblich bewährten Segelplan geblieben. Diese stockkonservative, um nicht zu sagen :reaktionäre Denkweise kannst du sogar bei der "Potosi" bewundern. Die wurde - man glaubt es kaum !" sogar ohne die Jarvis-Braßwinschen ausgeliefert. Dabei hatten diese sich doch schon längst als unentbehrliche Arbeitserleichterung erwiesen und waren auf allen stählernen Laeisz´schen Viermastbarken schon lange eingebaut.
Aber das nur nebenbei.
Mein Tip : nur ja keine Reffbändsel aus Garn einnähen und am Segel runterhängen lassen, das geht immer weit am Maßstab vorbei und sieht viel zu klotzig aus. Mit einem dünnen, harten Bleistift die Aufdoppelung - zwei parallele Streifen in ca. 5 mm Abstand vorne und achtern deckungsgleich quer über das Segel - aufmalen und die Bändsel vorne gleich dazu. Ein kleiner Punkt markiert dann die Gatchen in der Doppelung, in die die Bändsel eingeknotet sind und aus denen sie auf die Segelvorderseite, nie auf die achtere !, austreten. Was man da oft an Segeln schon in 1:75 kreuz und quer als Reffbändsel rumhängen sieht, entstellt die ganze Takelage. Bei 1:150 bleibt erst recht nur die Imitation per Bleistift.
Wenn du oder andere Interessierte eine Kopie der 1:250 Planbeilage der Preußen aus dem "Hamecher" haben möchtet, dann meldet euch bei mir. Der Segelriß ist eher schematisch, läßt sich aber leicht durch Nachlesen im "Middendorf" ergänzen, wenn man sich schon diesen Floh ins Ohr setzen will. Die Decksausrüstung gibt der Plan auch recht genau wieder. Einen Belegplan, auch "Flunder" genannt, zu besorgen, ist ebenfalls eine leichtere Übung.
Viel Spaß mit deinem Bau.
Germanus