Liebe Klebesüchtige,
die sogenannten Trichtersiebe werden üblicherweise einzeln über jeden Ansaugtrichter gesetzt. Beim Ferrari 312 ging man jedoch einen anderen Weg: Statt separater Siebe spannte man ein durchgehendes Gitter über sämtliche Ansaugtrichter hinweg.
Der Hintergrund dieser Lösung erschließt sich erst bei genauerer Recherche. Offenbar stammten die Ansaugtrichter aus einem Vorgängermodell, bei dem die Vergaseröffnungen sehr eng beieinander lagen. Um die Trichter überhaupt montieren zu können, wurden sie seitlich angeschliffen. Dadurch entstanden Öffnungen an den Seiten, wodurch einzelne Trichtersiebe ihre Funktion nicht mehr hätten erfüllen können. Das durchgehende Gitter stellte somit eine Kompromisslösung dar, um zumindest einen halbwegs wirksamen Schutz zu gewährleisten.
Darüber hinaus liegt die Vermutung nahe, dass auch pragmatische Gründe in den Jahren um 1967 eine Rolle spielten. In jener Zeit war das Unternehmen stark beansprucht, unter anderem durch die intensive Konkurrenz im Sportwagenbereich – etwa mit dem 330 P4 im Duell gegen den Ford GT40 – sowie durch wirtschaftliche und strukturelle Herausforderungen. Es ist daher gut denkbar, dass verfügbare Ressourcen bevorzugt in andere Projekte flossen und man im Formel-1-Bereich auf bereits vorhandene Teile aus der „Grabbelkiste“ zurückgriff.
Solche improvisierten Lösungen finden sich an diesem Fahrzeug durchaus häufiger. So ist beispielsweise das Lenkradkreuz des Teamkollegen Amon mit acht Schrauben befestigt, während es bei Bandini lediglich mit vier Schrauben auskommt. Man könnte fast meinen, Ferrari seien schlicht die passenden Senkkopfschrauben ausgegangen. ????
Beim MFH-Bausatz liegt ein feines Metallgitter bei, das mithilfe eines Formwerkzeugs in die passende Form gepresst werden kann. Der entstehende Überschuss wird abgeschnitten und das Gitter anschließend einfach über die Vergaser-Ansaugtrichter gestülpt. Diese Lösung erschien mir jedoch noch ausbaufähig.
Also habe ich die Gitterkonstruktion etwas anders umgesetzt: Zunächst habe ich um die Matrize einen 0,4 mm starken, versilberten Kupferdraht gelegt und so einen umlaufenden Kragen erstellt. An der Stoßstelle wurde das Gitter dann rundherum vorsichtig mit dem Rahmen verlötet, sodass ein stabiler und sauberer Abschluss entstand.
Anschließend habe ich links und rechts am Gasschieber jeweils eine Schraube eingesetzt, versehen mit einer Kunststoffhülse, die dem Durchmesser der MFH-Ansaugtrichter entspricht. Auf diese Konstruktion wurde das Gitter zusammen mit dem 0,4 mm-Drahtkragen aufgeschoben. Im nächsten Schritt wurden im Schieber entsprechende Bohrungen gesetzt, sodass ich Stützstifte von unten gegen das Sieb führen und ebenfalls verlöten konnte. Der verbleibende Überstand kann später von unten mit einer Zange abgetrennt und abschließend verklebt werden.
Diese Vorgehensweise kommt dem Original deutlich näher und sorgt zugleich für eine stabilere sowie optisch stimmigere Ausführung.
Soweit so gut – ich hoffe, es war für den einen oder anderen interessant.
Schönes Wochenende
Günter